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Gewichtete Entscheidungsmatrix

Entscheidungstabellen werden mittlerweile in vielen Bereichen vorgestellt und eingesetzt. Dabei stellt man den zur Entscheidung stehenden Optionen die relevanten Kriterien gegenüber und bewertet alle Kombinationen aus Optionen und Kriterien.
Darauf auf bauen fortgeschrittene Versionen, bei denen die Kriterien anhand ihrer Bedeutung gewichtet werden. Diese, „Gewichtete Entscheidungsmatrix“ genannte, Methode (auch: „Bewertete Entscheidungsmatrix“) nutze ich gerne und häufig nicht nur in meiner beruflichen Praxis. Sie hilft merklich eine Entscheidung vorzubereiten und zu treffen und veranschaulicht deren Zustandekommen übersichtlich und nachvollziehbar.

Leider treffe ich jedoch immer wieder auf fehlerhafte oder unvollständige Anwendungen einer Gewichteten Entscheidungsmatrix (so zuletzt im Rahmen meiner Mediationsausbildung, wo diese Methode als Entscheidungshilfe bei der Auswahl von Konflikt-Beilegungsverfahren vorgestellt wurde). Leider führt die falsche oder ungenau Verwendung jedoch zu unübersichtlichen, diffusen Darstellungen oder im schlimmsten Fall zu der falschen Entscheidung. Bisher habe ich jedoch auch noch keine vollständige und meinen Ansprüchen genügende Beschreibung und Anleitung dazu im Netz gefunden.

Ich möchte die Methode daher hier in der von mir genutzten Form darstellen und biete im Anhang ein Excel-Template zur computergestützten Verwendung des Werkzeuges (siehe unten).

Überblick

Folgend ist ein Auschnitt einer leeren Gewichteten Entscheidungsmatrix dargestellt. In Orange sind die Elemente des Tools gekennzeichnet und benannt. Beschrifteter Screenshot

Die einzelnen Elemente und ihr Zusammenspiel

Die im obigen Überblick gekennzeichneten Elemente oder auch Bereiche der Gewichteten Entscheidungsmatrix haben folgende Bedeutung:

Kriterium
Die Kriterien werden untereinander in der ersten Spalte der Tabelle aufgelistet. Ein Kriterium wird entweder als Frage formuliert oder anhand eines Stichwortes beschrieben. Ist z.B. der Preis für die Entscheidung wichtig, so kann man dies entweder durch das Stichwort „Günstiger Preis“ oder eine entsprechende Frage berücksichtigen.
Ungünstig sind jedoch meist Ja/Nein-Fragen. Hat man beispielsweise nur einen festen Betrag für eine Investition zur Verfügung, kann man die Erfüllung des Kriteriums mit „Preis unter X €?“ erfragen. Antwortet man mit Ja oder Nein darauf, lassen sich die einzelnen Ja- und Nein-Optionen jedoch nicht mehr unterscheiden. Eine Option, die nur knapp unter der Hürde liegt, ist dabei genauso gut, wie eine die nur ein viertel des Grenzbetrages kostet. Mit ein wenig Nachdenken, lassen sich die meisten geschlossenen Fragen offen umdefinieren.
Es gibt jedoch auch harte KO-Kriterien, also Aspekte, die eine Option unbedingt erfüllen muss, um in der Auswahl zu bleiben. Wenn man ein Handy für den Einsatz in einem gesicherten Umfeld sucht, darf es z.B. absolut keine Kamera haben. Deratige Kriterien dürfen durch Ja/Nein-Fragen beschrieben werden (mehr dazu unter „Gewichtung“). Natürlich wäre es auch möglich einfach die ganze Option aus der Auswahl zu löschen, wenn sie ein KO-Kriterium nicht erfüllt, zu Dokumentationszwecken kann es jedoch sinnvoll sein, dies in der Matrix dennoch darzustellen.

Gewichtung
Die verschiedenen Kriterien bei der Entscheidungsfindung haben ein bestimmtes Verhältnis untereinander, was ihre Wichtigkeit angeht. Diese Gewichtung muss vom Entscheider bzw. den Entscheidern bestimmt werden. Sie kann bei einem Thema und gleichen Kriterien, je nach Entscheider, sehr unterschiedlich ausfallen.
Oft gibt es bei der Gewichteten Entscheidungsmatrix eine bestimmte Maximalzahl von Punkten (z.B. 100) die auf die einzelnen Kriterien als Gewichtung verteilt werden. Viel einfacher wird es jedoch, wenn man diese Begrenzung weglässt, dem ersten Kriterium eine beliebige Punktzahl gibt und die anderen in Relation dazu setzt (man fängt z.B. mit dem niedrigen Preis an, der bekommt 15 Gewichtungs-Punkte, dass ein Artikel schnell geliefert werden kann, ist aber auch fast so wichtig, also 13 Punkte usw.). Mit diesem Vorgehen hat man schneller eine Gewichtung erstellt (da man nicht langwierig Zahlen justieren muss, bis man den Gesamtbetrag vergeben hat) und man ist flexibler, wenn in der Folge ein weiteres Kriterium hinzukommt, denn dann muss man nicht die ganze Gewichtung überarbeiten.
KO-Kriterien werden in der von mir verwendeten Matrix mit der Gewichtung „KO“ gekennzeichnet. Eine Option, die dieses Kriterium nicht erfüllt, fällt aus der Auswahl raus (siehe auch „Erfüllungsgrad“ und „Ergebnis“).

Summe Gewichtungen
Die Summe der Gewichtungen ist die Gesamtzahl an Punkten, die bei der Gewichtung vergeben werden. Sie wird in dem von mir verwendeten Beispiel automatisch errechnet und dient der Ermittlung des Ergebnisses der einzelnen Optionen.

Option
Jede Option die zur Auswahl steht erhät eine Spalte in der Tabelle und einen griffigen Titel bzw. eine griffige Kurzbeschreibung. Unterscheiden sich zu betrachtende Lösungmöglichkeiten nur gering, sollten sie dennoch als separate Option aufgenommen werden. Gegebenenfalls kann dadurch deren Anzahl schnell anwachsen, nur so lassen sie sich aber sauber und differenziert betrachten.

Details zur Option
Diese Felder dienen der ausführlicheren Beschreibung der jeweiligen Option. Sie können Zusatz-Infos, differenzierende Erläuterungen und weiterführende bzw. verweisende Links enthalten. Sie dienen nicht der eigentlichen Entscheidungsfindung, wohl aber der Orientierung und Dokumentation.

Erfüllungsgrad
Für jede Option wird zu jedem Kriterium geprüft, inwiefern sie es erfüllt. In der hier vorgestellten Gewichteten Entscheidungsmatrix können dafür Ganze oder Komma-Zahlen zwischen 0 und 10 (jeweils inklusive) vergeben werden. 0 heißt: „überhaupt nicht erfüllt“, 10 heißt: „zu 100% erfüllt“. Es ist dabei hilfreich, die 10 nur sparsam zu vergeben. Selbst bei einer Option, die ein Kriterium anscheinend perfekt erfüllt, ist meist noch eine (zumindest theoretische) Steigerung vorstellbar – und wer weiss, möglicherweise taucht die ja noch in der weiteren Arbeit auf…
KO-Kriterien (die also in der Spalte „Gewichtung“ mit „KO“ gekennzeichnet sind) erhalten ein „J“ für „Ja, erfüllt“ oder ein „N“ für „Nein, nicht erfüllt“. Das Nein bedeutet, dass die betreffende Option aus der Auswahl rausfällt (siehe auch „Ergebnis“).

Details zum Erfüllungsgrad
Auch diese Felder dienen wie die „Details zur Option“ lediglich der Nachvollziehbarkeit der Entscheidungsfindung. Hier kann man sichtbar und für die Revision nachvollziehbar hinterlegen, wie der nebenstehende Erfüllungsgrad zustande kommt.

Ergebnis
Das Ergebnis spiegelt wieder, wie gut eine Option abschneidet, der Wertebereich geht dabei von 0% (überhaupt nicht) bis 100% (perfekt). Erfüllt eine Option ein Kriterium mit hoher Gewichtung, ergibt dies natürlich mehr Prozente als die Erfüllung eines Kriteriums mit niedriger Gewichtung. Die zugrundeliegende Formel ist relativ einfach, bei vielen und unterschiedlich gewichteten Kriterien kann es per Hand für mehrere Optionen jedoch relativ aufwändig werden. Beim Excel-Template im Anhang geschieht die Berechnung natürlich automatisch.
Hat eine Option mindestens ein „N“ bei einem KO-Kriterium kassiert, fällt diese Möglichkeit damit (üblicherweise) ganz aus der Auswahl raus. In der angehängten Version erscheint dann „- KO -“ als Ergebnis.

Ein Beispiel aus der Praxis

Bei dem Beispiel hier geht es um eine Entscheidungsfindung für die Einführung bzw. Erweiterung der mobilen Leistungserfassung von Pflegekräften. Die ausgefüllte Gewichtete Entscheidungsmatrix dafür kann wie folgt aussehen (die farbliche Hervorhebung der Felder ist weiter unten beim Template erklärt):
(Bitte Grafik anklicken für ausführliche Darstellung des Beispiels)

Das Template

Das angefügte Template enthält eine leere Vorlage für eine Gewichtete Entscheidungsmatrix mit 10 Optionen und 25 Kriterien, beide Aspekte sind aber für den normalen Excel-Anwender recht einfach erweiterbar.

Die Felder mit den Erfüllungsgraden werden je nach eingetragenem Wert farbliche hinterlegt. Grün heißt: „hoher Erfüllungsgrad“ bzw. „KO-Kriterium erfüllt“, Gelb heißt: „mittlerer Erfüllungsgrad“ und Rot heißt: „niedriger Erfüllungsgrad“ bzw. „KO-Kriterium nicht erfüllt“. Die Grenzen für den Farbwechsel sind auf dem Karteireiter Nachschlagewerte hinterlegt und können dort bei Bedarf verändert werden.

Die einzelnen Elemente der Tabelle und ihre Bedeutung wurden ja schon oben erklärt, folgend sind die möglichen Werte für die einzelnene Eingabe-Bereich aufgeführt:

  • Kriterium: Text
  • Gewichtung: positive Zahl oder „KO“ für KO-Kriterium
  • Summe Gewichtungen: wird berechnet
  • Option: Text
  • Details zur Option: Text
  • Erfüllungsgrad: Zahl zwischen 0 und 10 (jeweils inklusive) bzw. „J“ oder „N“
  • Details zum Erfüllungsgrad: Text
  • Ergebnis: wird berechnet

Link zum Anhang: Excel-Template „Gewichtete Entscheidungsmatrix“

Falls Sie Fragen oder Anmerkungen zum Template haben oder gar einen Fehler entdecken, freue ich mich über eine entsprechende Rückmeldung.

Noch ein Hinweis zum Schluss…

Auch dieses Tool schützt nicht per se vor Manipulationen und Fehlentscheidungen. Durch geschicktes Herumspielen an den Gewichtungen und den Erfüllungsgraden lassen sich die Ergebnisse so drehen, dass die (warum auch immer) präferierte Option vorne liegt.

Wird die Methode jedoch unvoreingenommen und gewissenhaft angewendet, ist sie ein hervorragender Helfer bei der Auswahl einer Lösung aus verschiedenen Optionen und der Darstellung dieser Entscheidungfindung.

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  1. Nogo1987
    13. Dezember 2013 um 11:28

    super! Dankeschön!
    im Studium schon so gelernt und nun das perfekt formatierte Template – Respekt!

  2. meth
    18. Januar 2013 um 10:58

    Ganz herzlichen Dank! Einfach-praktisch-hilfreich!

  3. Denis
    10. Mai 2012 um 10:59

    Endlich mal ein vernünftige Erklärung zum ordnungsgemäßen Umgang mit diesem Tool! Vielen Dank!!

  4. Joachim
    9. April 2012 um 01:22

    Genau was ich gesucht habe ! Prima, vielen Dank !!!

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