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Mediation Teil 2: Die Prinzipien

Die Prinzipien der Mediation

Um ein Mediations-Verfahren sinnvoll durchzuführen, müssen sowohl die Konflikt-Parteien (die Medianten) als auch der Leiter des Verfahrens (der Mediator) sich zu gewissen Voraussetzungen und Regeln bekennen.

Die sechs folgenden Prinzipien und Kriterien benennen diese Grundlagen:

  • Freiwillige Teilnahme
    Die Konfliktparteien beginnen das Mediations­verfahren freiwillig, sie werden nicht von außen gezwungen daran teilzunehmen. Diese Teilnahme aus freiem Willen ist Grundvoraussetzung für die selbstverantwortliche Mitarbeit der Medianten und wird vom Mediator zu Beginn erfragt und sichergestellt. Es gibt jedoch durchaus Interpretations-Spielraum, welche Faktoren zu einer freiwilligen Teilnahme führen können.
    Sowohl die Medianten als auch der Mediator können das Verfahren zu jedem Zeitpunkt abbrechen.
  • Neutralität und Allparteilichkeit des Mediators
    Der Mediator steht als neutraler Dritter außerhalb des Konfliktes und hat keinen persönlichen Bezug zu einem der Medianten oder dem Konflikt-Inhalt. Er bevorzugt keinen der Parteien und äußert keine eigenen inhaltlichen Bewertungen.
    Als allparteiischer Vermittler sorgt der Mediator dafür, dass alle Medianten eine effektiv gleiche Möglichkeit zur Einbringung in das Verfahren bekommen. Dazu gleicht er etwa Machtgefälle oder charakterliche Unterschiede aus indem er z.B. vorübergehend als Sprachrohr einer Partei fungiert oder unterschiedliche Kreativitäts-Methoden anwen­det – ohne jedoch seine Neutralität zu verletzen.
  • Selbstverantwortlichkeit der Medianten
    Die Konfliktparteien sind für die Findung und den Inhalt eines Ergebnisses selbst verantwortlich. Es wird kein Schieds­spruch oder ein Urteil durch den Mediator gefällt, er leitet methodisch durch das Verfahren.
    Es gibt dazu zwei Ansätze bezüglich der Intensität der Unterstützung des Mediators:
    Der passive Mediator tritt lediglich als Verfahrens­verwalter auf. Er hilft nicht beim Erkennen von möglichen (weiteren) Konfliktparteien oder notwendiger inhaltlicher, externer Unterstützung, macht keine eigenen Vorschläge zur Lösungsfindung und weist auch nicht darauf hin, wenn eine Partei einen ihr entstehenden Nachteil nicht erkennt.
    Ein aktiver Mediator greift stärker helfend in das Verfahren ein. Er kann bei der Findung von Lösungs­vorschlägen die Medianten deutlicher unterstützen und auch ergänzend eigene Vorschläge einbringen – sofern er dabei seine Neutralität beachtet. Er kann offen auf deutliche Nachteile einer Partei in einer Lösung hin­weisen, die Verantwortung bleibt jedoch bei den Medianten. Ein aktiver Mediator kann dadurch seine Allparteilich­keit effektiv wahrnehmen.
  • Offenheit und Informiertheit
    Die Beteiligten legen die ihnen bekannten Informationen zum Konflikt offen. Dies beinhaltet auch Neuigkeiten und Änderungen, die ihnen während des Verfahrens bekannt werden. Damit soll verhindert werden, dass gefundene Lösungen nachträglich verworfen werden, weil deutlich wird, dass sie auf falschen oder fehlenden Informationen beruhen.
    Der Mediator selbst bringt keine inhaltlichen Informationen, insbesondere nicht zur recht­lichen Trag­fähigkeit der gefundenen Lösung, ein. Er ermutigt jedoch die Medianten gegebenenfalls sich Rat von Dritten einzuholen und stellt insbesondere vor justiziablen Media­tionsabschlüssen sicher, dass sich die Medianten jeweils eine Auskunft bei einem einseitig beratenden Anwalt eingeholt haben.
  • Vertraulichkeit / Verschwiegenheit
    Alle am Verfahren Beteiligten (inklusive des Mediators) verpflichten sich, dass sie alle im oder durch das Verfahrenen gewonnen Informationen nicht – oder nur nach Zustimmung aller Beteiligten – außerhalb der Mediation verwenden. Dies beinhaltet erst einmal auch die Ergebnisse des Verfahrens.
    Führt der Mediator zu Beginn oder während des Verfahrens Einzelgespräche mit den Parteien, so unter­liegen die darin erhaltenen Informationen, sofern nicht anders vereinbart, der Ver­schwie­genheitspflicht des Mediators – auch gegen­über den anderen Medianten. Dies stellt gegebenenfalls einen Wider­spruch zum Prinzip der Offenheit dar.
    Zu beachten: Sofern der Mediator nicht, etwa als Anwalt, durch ein Zeugnisverweigerungsrecht geschützt ist, kann er (nach derzeitiger Gesetzeslage) in Deutschland bei einem gericht­lichen Verfahren zur Verletzung dieses Grund­prinzips gezwungen werden.
  • Ergebnisoffenheit
    Die Medianten bringen die Bereitschaft zur offenen Verhandlung der Lösungen mit und nicht die eigentlich schon feststehende Vorstellung, wie die Lösung aussehen muss. Das Verfahren eignet sich nicht, um etwa ein eigentlich bereits festgelegtes Ergebnis „durchzudrücken“.
    Es gibt keine Garantie, dass überhaupt eine einvernehm­liche Lösung gefunden wird.
    Bei etwa 75% der Mediations­verfahren wird ein Ergebnis gefunden, von dem dann alle Medianten profi­tie­ren. Im Gegensatz zu gerichtlichen Streit-Verfahren, bei denen es maximal 50% zufriedene Beteiligte geben kann, ist dies eine Verbesserung um die Hälfte.

Anmerkung: Da der Begriff Mediation jedoch nicht geschützt ist, kann ein Vorgehen oder Verfahren möglicherweise als Mediation benannt oder gar verkauft werden, ohne tatsächlich den Anforderungen einer „echten“ Mediation (wie oben beschrieben) zu genügen.

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