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Hörbuch: Vom Mythos des Mann-Monats

(Verschoben vom alten Blog, Original gepostet am 29.03.2007)

Das Buch

Zu dem Inhalt des Buches „The Mythical Man Month – Essays on Software Engineering“ (so der englische Originaltitel) von Frederick P. Brooks muss ich wohl wenig sagen. Jeder der sich fundiert mit dem Management von Software-Projekten beschäftigt, kennt das Werk. Selbst wenn man es (noch) nicht selbst gelesen hat, stößt man doch überall auf Zitate daraus, auf Bezugnahmen und Sekundärliteratur.

Erstmalig 1975 veröffentlicht, bietet dieses Werk gut erklärt eine strukturierte, mit Beispielen unterlegte, gemeinsame Semantik für Betrachtungen und Diskussionen über Software-Entwicklung und -Projekte. Zudem erkennt und beschreibt Brooks Zusammenhänge und Probleme, deren Lösungen auch heute noch ausstehen. Natürlich sind die meisten der geschilderten technologischen Probleme und die damit verbundenen Ratschläge mittlerweile durch die ständige Weiterentwicklung obsolet, nicht aber die – wie er es nennt – „essentiellen“ Probleme von Software-Projekten. Das Buch wurde in gewissen Abständen (erstmalig zum 20sten Geburtstag) mit zwischenzeitlich erstellten Essays erweitert. Brooks nimmt dabei jeweils Bezug auf die aktuellen Entwicklungen, auf Fragen und Reaktionen zu seinem Werk und unterstreicht die weiterhin offenen Fragen. Die letzte Ergänzung stammt aus dem Jahr 2005.

Die Unterscheidung in akzidentelle und essenzielle Aspekte bei der Betrachtung von Software-Entwicklung stellt eine wichtige Erkenntnis und Definition dar. Schnellere und größere Hardware-Ressourcen, neue Programmiersprachen und bessere Unterstützung durch Entwicklungsumgebungen boten eine Verringerung akzidenteller Probleme. Mit den stetig steigenden Anforderungen an Software-Projekte kann man aber mittlerweile eigentlich nur davon sprechen, dass die akzidentellen Probleme klein gehalten werden. Eine nennenswerte, weitere Verringerung ihres Anteils an den Problemen von Software-Projekten schien schon 1975 unwahrscheinlich und ist es heute immernoch. Die oben genannten Neuerungen und Verbesserungen halten also diese akzidentellen Probleme auf einem prozentual gleichbleibenden Niveau. Viel interessanter ist die Betrachtung der Methoden, Konzepte und Vorgehensweisen, die auf die essentiellen Probleme der Software-Entwicklung zielen.

Brooks prägt in seinem Buch den Begrifff der Silberkugeln. Damit meint er Mittel, die die Monster erledigen, die Software-Entwicklungs-Projekte bedrohen, angreifen und schwächen. Silberkugeln sind Prozesse und Methoden, die wesentliche Verbesserungen in der Effizienz und Qualität bringen. Nach Brooks sind diese „Silver Bullets“ aber nach wie vor nicht in Sicht.

Leider endet seine Analyse vor der Betrachtung der Agilen Prozesse und Methoden. Seine Meinung dazu fände ich durchaus interessant. Vielleicht kennt ja jemand ein entsprechend aktuelles Essay von ihm?

Das Buch ist ein Standardwerk für jeden der sich mit dem Management von Software-Projekten beschäftigt. Aber auch jeder Analyst, Konzeptionist, Architekt und Entwickler kann hier über seinen Tellerrand blicken und nützliche, grundlegende Erkenntnisse über die Projektwelt gewinnen.

Das Hörbuch

Zufällig stiess ich vor ca. vier Wochen auf eine Hörbuch-Ausgabe des Buches. Die Idee war sofort, meinen Arbeitsweg im Auto für die Informationsaufnahme zu nutzen. Bisher habe ich dabei immer Radio, mal ein Belletristik-Hörspiel oder eben nichts angehört. Anhand dieses Hörbuches „Vom Mythos des Mann-Monats“ wollte ich also die Frage klären, ob das überhaupt klappt, dass ich konzentriert anspruchsvolle Texte während der Autofahrt aufnehme.

Das Hörbuch-Päckchen besteht aus 4 CDs. Die ersten drei sind normale Audio-CDs mit jeweils ca. 75 Minuten Spielzeit und die vierte enthält nochmal 5 Stunden Text im MP3-Format. Die Kapitel des zugrundeliegenden Buches sind unterschiedlich auf die 4 CDs verteilt. Um also alle Kapitel des Buches auf einem nicht-MP3-fähigen CD-Player zu hören, muss man noch ein wenig kopieren. Als unnötiges Ärgernis stellte sich dabei heraus, dass die letzte MP3-Datei, welche eine Nachbetrachtung aus dem Jahre 2005 enthält, 85 Minuten lang ist und damit nicht an einem Stück auf eine Audio-CD paßt. Ich musste die Datei also erst zerschneiden und dann auf zwei CDs verteilen.

Die zwei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Versuch: 1. Es ist mir durchaus möglich die Informationen vorgelesen aufzunehmen. 2. Die Spulen-Funktion am Player (vor allem zurück) ist extrem wichtig.

Bei der Aufnahmebereitschaft spielt natürlich die Konzentrationsfähigkeit eine große Rolle. Morgens geht es bei mir z.B. besser als nachmittags oder abends. Jede Ablenkung, sei es durch den Verkehr oder dass die Gedanken abschweifen, bedeutet natürlich, dass man Informationen verpasst – sofern man den Player nicht sofort stoppt. Da es dann aber meist unnötig ist, den ganzen Track zu wiederholen um die verpasste Stelle nochmal zu hören, ist die Funktion „Zurückspulen“ sehr wichtig. Mein MP3-Player erlaubt z.B. nur trackweise zu springen, wäre also hierfür ungeeignet. Auch nach dem Einsteigen ins Auto und dem Wiedereinsteigen in den Hörtext muss ich meist ein Stück zurückspulen um wieder reinzukommen. Die Fahr- und Hörzeit am Stück sollte mindestens 20 Minuten sein, je länger je besser.

Das Hörbuch „Vom Mythos des Mann-Monats“ ist insgesamt sehr angenehm produziert. Ich kann den Sprecher gut verstehen, seine Betonung ist wunderbar und ich höre seiner Stimme gerne zu. Zu dem Inhalt des Buches habe ich ja eingangs schon etwas gesagt.

Insgesamt also ein postiver Versuch und Auftakt für weitere Fach-Hörbücher (als nächstes steht das gerade als CD erschienene „iWoz“ von Steve Wozniak an).

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